Text mit freundlicher Genehmigung der Pro Retina Deutschlande.V.
Bedeutung
von Ernährung für Vorsorge und Behandlung
Wir bedanken uns für
die Mithilfe bei der Erstellung dieser Broschüre bei: Prof. Dr. Frank
G. Holz, Prof. Dr. Bernd Bertram, Prof. Dr. Klaus Rüther
Die
Erstellung der Broschüre wird dankenswerterweise ermöglicht durch die
Unterstützung der Orthomol GmbH.
Die Broschüre ist Bestandteil
der Pro Retina Info-Reihe.
Die altersabhängige
Makuladegeneration
Das Alter - wie der Name vermuten lässt - ist
einer der nicht beeinflussbaren Risikofaktoren Für die altersabhängige
Makuladegeneration (AMD). Doch neben dem Alter gibt es auch
Risikofaktoren für eine AMD, die mittlerweile beeinflussbar erscheinen.
Mit dieser Broschüre möchten wir Sie darüber informieren, welche
Risikofaktoren bekannt sind und welche Sie selbst aktiv beeinflussen
können. Unsere Lebensgewohnheiten spielen dabei auch eine wichtige
Rolle. Insbesondere die Ernährung und die damit aufzunehmenden
Mikronährstoffe, wie z.B. antioxidative Vitamine, Spurenelemente oder
Omega-3-Fettsäuren, rücken vermehrt in den Fokus wissenschaftlicher
Untersuchungen. Diese zeigen sowohl positive Ergebnisse in der
Vorbeugung als auch bei bestehender AMD-Erkrankung. Die folgende
Darstellung soll Ihnen, Ihrer Familie, Freunden und Bekannten helfen,
richtige Nahrungsmittel auszuwählen, um das Auge mit wichtigen
Nahrungsinhaltsstoffen zu versorgen. Somit können Sie ganz persönlich
zur Vorbeugung oder zu einem günstigeren Verlauf der AMD beitragen.
AMD
- Der Krankheitsverlauf
Die altersabhängige Makuladegeneration
(AMD) ist eine Erkrankung des Auges, die in den sog. Spätstadien zum
Verlust der Sehkraft im Fixierpunkt (Zentrum des Gesichtsfeldes) führen
kann. Das Sehen neben dem Fixierpunkt (peripheres Sehen) bleibt
erhalten. Betroffene beschreiben diesen Zustand häufig so: "Gerade da,
wo ich genau hinschaue, sehe ich nichts scharf." Derartige
Einschränkungen der Sehkraft treten allerdings erst im späten
Krankheitsstadium auf. Das Frühstadium der AMD kann Ihr Augenarzt z.B.
anhand kleiner abgegrenzter Ablagerungen unter der Netzhaut (sog.
"Drusen") erkennen. Die Sehkraft ist in diesem Stadium meist nicht
eingeschränkt. Im Spätstadium der AMD geht die zentrale Sehschärfe
jedoch zunehmend verloren. Je nachdem welche Spätform der AMD vorliegt
(trockene oder feuchte AMD), verläuft die Erkrankung in
unterschiedlichem Tempo. Je nach Risikoprofil, Ausprägung und
Krankheitsverlauf stehen unterschiedliche Vorbeugungs- und
Behandlungsmöglichkeiten, u. a. die Zufuhr von Mikronährstoffen über die
Ernährung oder als Supplementierung, zur Verfügung.
Risikofaktoren
für die Entwicklung einer AMD
Nicht jeder Mensch entwickelt bei
der heutigen Lebenserwartung im Alter eine AMD. Das Erkrankungsrisiko
ist von mehreren Faktoren abhängig:
Nicht beeinflussbar: Alter,
Genetische Veranlagung, Geschlecht (weiblich)
Beeinflussbar:
Rauchen, Starke Sonneneinstrahlung, Ernährung, Bluthochdruck
Zwar
sind die Vorgänge, die zur Entstehung einer AMD führen, noch nicht
endgültig geklärt, doch gibt es zahlreiche Hinweise, dass auch die
Lebensführung bei dem AMD-Risiko eine Rolle spielt. Sie können z.B.
schon durch das Tragen einer Sonnenbrille bei starker
Sonnenlichtexposition zum Schutz Ihrer Augen beitragen. Die Bedeutung
der Ernährung für die Gesundheit der Augen gewinnt stetig an Beachtung.
Mittlerweile ist bekannt, dass bestimmte Lebensmittel wichtige
Mikronährstoffe enthalten, wie z.B. antioxidative Vitamine,
Spurenelemente und Fettsäuren, die den Schutz und die Funktion der Augen
wesentlich unterstützen können.
Gesunde Ernährung
Die
deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt gesunden Menschen,
täglich 5 Portionen Obst (250 g) und Gemüse (400 g) zu essen. Das soll
gewährleisten, dass Ihr Körper regelmäßig mit wichtigen Mikronährstoffen
versorgt wird, von denen er einige (z.B. Vitamin C) nicht selbst
herstellen kann. Beispielhaft haben wir Ihnen einen der DGE- Empfehlung
entsprechenden Tagesspeiseplan zusammengestellt: Morgens: 1 Banane in
Müsli und im weiteren Verlauf 1 Portion Karottensalat Mittags: 1 Portion
gegartes Gemüse (Spinat) Nachmittags: 1 Apfel Abends: 1 Portion Salat
Sollten Sie jedoch von bestimmten Lebenssituationen wie z.B. Krankheit
betroffen sein, erhöht sich Ihr spezifischer Nährstoffbedarf. Dann
sollten Sie besonders auf eine ausgewogene Ernährung mit frischen
Produkten achten. Zudem können Sie durch die richtige Auswahl bewusst
die Versorgung mit bestimmten Mikronährstoffen unterstützen. Einige für
Ihre Augen wichtigen Mikronährstoffe und Lebensmittel möchten wir Ihnen
deshalb im Folgenden vorstellen.
Mikronährstoffe für das Auge
Das
Auge benötigt Mikronährstoffe für den Sehvorgang sowie zu seinem
natürlichen Schutz. Über viele feine Blutgefäße wird die Netzhaut
(Retina) mit Sauerstoff, Vitaminen, Spurenelementen und anderen
wichtigen Mikronährstoffen versorgt. Dies sind u.a.: Karotinoide Im
Pflanzenreich sind mehr als 600 Karotinoide bekannt. Diese Farbstoffe
dienen den Pflanzen als effektiver Lichtschutz. Auch das Auge nutzt
ausgewählte Farbpigmente wie z.B. Beta-Karotin, Lutein und Zeaxanthin.
Beta-Karotin kann vom Menschen in Vitamin A umgewandelt werden, das
wiederum für den Sehvorgang benötigt wird. Lutein und Zeaxanthin filtern
in der Netzhautmitte ("gelber Fleck") wie eine "natürliche
Sonnenbrille" kurzwelliges Licht, wirken auch antioxidativ und tragen so
zum Schutz der empfindlichen Sehzellen bei. Verschiedene Beobachtungen
sprechen dafür, dass die Konzentration an diesen makulären Pigmenten mit
zunehmendem Lebensalter und bei AMD-Patienten abnimmt. Darüber hinaus
gibt es Hinweise dafür, dass ein niedriger Gehalt an makulärem Pigment
mit einem erhöhten Risiko für eine AMD einhergehen kann. Ebenso zeigte
sich, dass eine erhöhte Zufuhr an Lutein und Zeaxanthin das makuläre
Pigment wieder anreichern kann.
Antioxidanzien
Beim
Sehvorgang und im Stoffwechsel der Netzhaut entstehen als Nebenprodukte
sogenannte "freie Radikale". Verschiedene Befunde sprechen dafür, dass
eine vermehrte Bildung dieser aggressiven Moleküle bei der Entstehung
der AMD eine Rolle spielt. Man spricht hierbei auch von "oxidativem
Stress". Die natürlichen Gegenspieler der freien Radikale sind
"Antioxidanzien", die diese unschädlich machen können. Wissenschaftliche
Untersuchungen weisen darauf hin, dass es einen Zusammenhang zwischen
der Menge an Antioxidanzien im Blut und dem AMD-Erkrankungsrisiko gibt.
Das heißt, eine gute Versorgung des Körpers mit Antioxidanzien kann
offensichtlich das Risiko senken, an einer AMD zu erkranken. Zu den
wichtigen Antioxidanzien zählen die bereits beschriebenen Karotinoide
Lutein, Zeaxanthin und ß-Karotin. Die Vitamine A (z.B. in Möhren und
Feldsalat), Vitamin C (z.B. in Paprika und Brokkoli) und Vitamin E (z.B.
in Pflanzenölen) sind vielen als "Radikalfänger" bekannt. Auch die
Bioflavonoide, die in Zitrusfrüchten vorkommen, stellen wirksame
Antioxidanzien dar. Spurenelemente wie Selen und Zink, unterstützen
darüber hinaus die Funktion körpereigener antioxidativer Schutzsysteme.
Zum Seitenanfang Zink Zink ist ein Spurenelement, das vom Körper nur in
geringen Mengen benötigt wird, aber dennoch für die Funktion vieler
Stoffwechselvorgänge unbedingt notwendig ist. In der Aderhaut und in der
Netzhaut des Auges ist Zink sogar in sehr hoher Konzentration
vertreten. Untersuchungen weisen darauf hin, dass durch eine erhöhte
Zufuhr von Zink der Krankheitsverlauf bei bestimmten Formen der AMD
verlangsamt werden kann.
Fettsäuren
Die Netzhaut besteht
zu 60 % aus ungesättigten Fettsäuren. Es handelt sich v.a. um die
sogenannte Omega-3-Fettsäure bzw. Docosahexaensäure (DHA), die in
Fischsorten wie Lachs, Forelle, Schwertfisch vorkommt. Diese Fettsäuren
haben möglicherweise einen positiven Einfluss auf die Entstehung der
AMD. Da Omega-3-Fettsäuren vom Körper nicht selbst hergestellt werden
können, ergänzt Fisch Ihren Speiseplan sinnvoll.
Weitere
wichtige Mikronährstoffe
Neben den oben genannten
Mikronährstoffen tragen noch weitere Nahrungsbestandteile zur
Unterstützung des Augenstoffwechsels bei. Dazu zählen unter anderem die
B-Vitamine (z.B. Riboflavin, Thiamin), da sie für eine Reihe von
Stoffwechselvorgängen notwendig sind. Lebensmittel wie Nüsse, Käse und
Vollkornprodukte sind reich an B-Vitaminen.
Die ARED-Studie
Ein
Nachweis auf den Einfluss bestimmter Mikronährstoffe auf den Verlauf
einer AMD-Erkrankung konnte in einer groß angelegten Untersuchung in den
USA erbracht werden. Ziel der Studie war es, das Fortschreiten einer
AMD durch eine ergänzende Zufuhr von Mikronährstoffen zu verlangsamen.
Über einen Zeitraum von durchschnittlich 6,3 Jahren wurden 4757
Studienteilnehmer im Alter zwischen 55 und 80 Jahren in verschiedenen
AMD-Krankheitsstadien beobachtet. Die Beobachtungsgruppe erhielt täglich
ergänzend zur Ernährung eine Kombination von 500 mg Vitamin C, 400
internationale Einheiten Vitamin E, 15 mg Beta-Carotin, 80 mg Zink und 2
mg Kupfer. Das wichtigste Ergebnis der ARED-Studie lautet: Die
regelmäßige Einnahme der Mikronährstoffkombination vermindert bei
bestimmten Ausgangbefunden das Risiko, dass eine bereits bestehende
Makuladegeneration weiter voranschreitet, im Vergleich zu unbehandelten
Patienten um 25%. Eine so hohe Dosierung an Mikronährstoffen, wie sie in
der Studie eingesetzt wurde, kann allein über die Ernährung aber nicht
erzielt werden. Darum ist in bestimmten Fällen die ergänzende Zufuhr mit
den hier genannten Mikronährstoffen empfehlenswert. Mit einer gezielten
Einnahme von Mikronährstoffen sollten Sie jedoch erst nach
ausführlicher fachkundiger Beratung durch Ihren Augenarzt beginnen.
Der
Einkauf mit Augenmaß
Wenn Sie sich täglich gesund ernähren
wollen, dann nutzen Sie insbesondere das saisonale Angebot an frischem
Obst und Gemüse. Die untenstehende Tabelle soll es Ihnen erleichtern, in
Zukunft die passenden Lebensmittel zu finden, in denen größere Mengen
der hier vorgestellten Mikronährstoffe enthalten sind. Mikronährstoff
Vorkommen Vitamin A Möhren, Feldsalat, Thunfisch, Schweinefleisch
Vitamin C Fenchel, Paprika, Spinat, Zitrusfrüchte Vitamin E Pflanzliche
Öle, z.B. Nussöl, Distelöl, Nüsse, Haferflocken, Hühnerei Karotinoide
z.B. Beta-Karotin, Lutein, Zeaxanthin Grünkohl, Spinat, Brokkoli, Erbsen
Folsäure Hefe, Sojasprossen, Leber Zink Weizenkleie, Rindfleisch,
Edamer Käse Selen Fleisch, Eier, Fisch, Milch Bioflavonoide
Zitrusfrüchte, Holunder Omega-3-Fettsäuren z.B. Docosahexaensäure
Kaltwasserfische, z.B. Makrele, Lachs, Forelle, Schwertfisch
Weitergehende Informationen und Literaturhinweise erhalten Sie bei der
Pro Retina Deutschland e.V.